Studiengebühren - ein Schnitt ins eigene Fleisch
Ab 2007 erheben die Hochschulen in Baden-Württemberg Studiengebühren. Die Verlierer der Reform sind die Studenten – und damit auch die Hochschulen selbst.
Vom Sommersemester 2007 an müssen Studierende in Baden-Württemberg 500 Euro mehr pro Semester zahlen. Im Hochschul-Management freut man sich auf das Geld. So hat sich auch der Rektor der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) positiv zu Studiengebühren geäußert. Statt Lust aufs neue Semester zu machen, vermiest Professor Schlegel im aktuellen Studienführer seinen Studenten die Laune, indem er ihnen einredet, sie würden jetzt auch den Sinn von Studiengebühren erkennen. Als Beweis nennt er den RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studierender), der pro Studiengebühren argumentiert. Die Wahrheit ist: Die Gebühren werden gegen den Willen der Studierenden erhoben. Noch im letzten Semester gingen sie deshalb auf die Straße. Der CDU-nahe RCDS ist in keinem HdM-Gremium vertreten und repräsentiert weniger die Masse als vielmehr die Partei, die in Baden-Württemberg Studiengebühren eingeführt hat.
Schlegel zitiert RCDS-Argumente, wonach Studiengebühren international Standard seien und die Lehre verbesserten. Fakt ist: Nicht alle Länder erheben Studiengebühren. Schweden ist in Lehre und Forschung vorne mit dabei, obwohl Studieren nichts kostet. In Baden-Württemberg werden nun Talente aus ärmeren Familien die Hochschulen meiden. Vielleicht gehen sie ja wie die Ärzte nach Skandinavien. So könnten die Qualität der Lehre und die Wettbewerbsfähigkeit sogar sinken.
Schlegel kann ab 2007 dreimal so viel ausgeben wie vorher. Das zeigt schon, wie übertrieben die 500 Euro sind. Er überlegt, 25 bis 30 Assistenten einzustellen. Das klingt nach einer Formel "Studiengebühren gegen Arbeitslosigkeit" – die leider nicht aufgeht. Ab 2007 müssen viele der 3200 HdM-Studenten jobben, um die Gebühr aufzubringen. Damit belegen sie auf dem Arbeitsmarkt weit mehr als 30 Stellen. Welch unnütze Umverteilung, hunderte billige Arbeitskräfte in externe Stellen zu schicken und dafür ein paar Mitarbeiter einzustellen. Beteiligt Bibliotheksmanagement-Studenten am Management der Bibliothek! Lasst Medienautoren Presseberichte schreiben!
Bisherige Studiengebühren für Langzeitstudierende waren auch als Druckmittel gedacht. Man soll schneller fertig werden. Die Logik aber sagt, dass jemand, der mehr jobben muss, auch länger studiert! Lange Studienzeiten an deutschen Unis sind ein organisatorisches Problem. Im Ausland ist man eher fertig, weil die Lehrpläne besser strukturiert sind.
Wenn also 2007 Baden-Württemberg Studiengebühren erhebt und damit Studenten vertreibt, der Lehre schadet, Arbeitsplätze blockiert und Studienzeiten verlängert, wird sich zeigen: Die Hochschulen schneiden sich ins eigene Fleisch.
© 2006 Dennis Maciuszek (info at storyautor.de)